Freitag, 26. Februar 2016

600 Euro für Parkzeitüberschreitung: Multiversum klagt seine Kunden, wenn sie am Kundenparkplatz stehen.



Es ist Samstag, es ist Cheerleadermeisterschaft im Multiversum. Aufgeregte Eltern fahren ihre Kinder zum Multiversum, man ist froh, wenn man noch einen mit „Multiversum“ gekennzeichneten Parkplatz ergattert. Auf den Schildern steht: 

„KUNDENPARKPLATZ  
Parken für die Dauer des … Besuchs im Multiversum gestattet.“

Umso erstaunter, dass nach der Veranstaltung unser Auto (und –zig weitere) einen Zahlschein im Scheibenwischer stecken haben.  Mit eindeutiger… nennens wir „Alternative“: 

„90 Euro oder Besitzstörungsklage“. 

Ein genauer Blick in den kleingedruckten Text auf dem Schild zeigt, dass der Besuch nur 90 Minuten hätte dauern dürfen.
90 Euro für Parkzeitüberschreitung … ich wollte beim Konsumentenschutz nachfragen, ob das nicht ein bisserl viel sei und holte mir einen Termin.
Inzwischen flattert schon das nächste Schreiben herein:

„Entweder 290 Euro zahlen oder Besitzstörungsklage.“

Das wird ja immer besser.
Auf Anraten des Konsumentenschutzes zahlen wir 40 Euro und schicken eine Erklärung an den Anwalt, dass wir auch nie wieder dort parken werden.
Dennoch werden wir geklagt, nun ist der Betrag bereits 580 Euro.
Vor der Verhandlung werden wir von der Richterin informiert, dass sie uns auf jeden Fall schuldig sprechen wird und sie empfiehlt, dass wir nicht verhandeln und somit in Abwesenheit schuldig gesprochen werden. Wenn wir  dem Anwalt nicht das geforderte Geld (620 Euro mittlerweile) zahlen, wird es noch wesentlich teurer.
Tja, nun müssen wir endgültig einsehen, dass wir besser nachgeben, gegen die Staatsgewalt auflehnen ist nicht sehr gescheit.
Dass wir zum Schluss uns auch noch vom Anwalt demütigen lassen müssen passt zum Gesamtbild:

„Wie blöd muss man sein, wenn man das Schild nicht lesen kann“.

Nun, ich darf dieses Anwalts-Attest an alle –zig anderen Autos weiterleiten: Es war kein Irrtum von uns, es war Blödheit, und wie noch dazu.

Vielen Dank Herr Anwalt für dieses psychologische Gutachten.

Und, Multiversum, keine Sorge: Ich werde sicher nicht mehr Deinen Besitz betreten. Nicht mit dem Auto, nicht zu Fuß. Nie mehr.

Freitag, 29. Januar 2016

Wo sich "Rechte" und "Linke" einig sind


Bei allen weltanschaulichen und ideologischen Unterschieden zwischen "Rechts" und "Links": 

Es gibt Gemeinsamkeiten:

1. der Hang zur Gewalt, je weiter man sich dem Rand nähert (offensichtlich schließt sich dort der Kreis)
In beiden Lagern werden Wünsche geäußert, der jeweilige Andere möge gewaltsam sterben. Da schenken sich Rechts und Links nichts.


2. Der Hang zu Selbst- bzw. Lynchjustiz.
Abgesehen von Aufrufen dazu werden auch auf beiden Seiten Taten gesetzt:
Ein Shitsorm ist für mich Lynchjustiz (=Bestrafung einer unliebsamen Person oder Gruppe durch die Menge. Es wird aufgerufen, viele mögen sich anschließen).
Das Anprangern von Fehlhandlungen (mit Name und Foto/Video) ist für mich Selbstjustiz. 


Wenn das zum Verlust des Arbeitsplatzes führt, ist das vom Arbeitgeber Selbstjustiz.
In aufgeklärten Gesellschaften gibt es für Fehlhandlungen (durch Gesetze festgelegt) das System "anzeigen" , "Anklage" (mit fairer Verhandlung) und gegebenenfalls "Verurteilung".

Ich wünsche mir, in einer aufgeklärten Gesellschaften zu leben, wo weder Gesetzgebung, noch Gewalt, noch Justiz den Einzelnen oder gar der Masse überlassen werden.

Konkret möchte ich, wenn ich etwas sehe, was mir nicht passt:

1. Direkt anschreiben (was mir nicht passt mitteilen). Es soll auch die andere Seite Gehör finden.
(2. recherchieren, ob es gesetzeswidrig ist - wenn man ein gewissenhafter Typ ist.)
3. wenn ich glaube, dass eine Verletzung eines Strafgesetzes vorliegt: Anzeigen.

Teilen oder öffentlich Kritisieren widerspricht solange dem Sinne der Menschenrechtskonvention, als ich nicht die andere Seite gehört habe.

Ausnahmen sind dort gegeben, wo Einrichtungen oder Personen des öffentlichen Rechts betroffen sind und nicht angemessen reagieren.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Meine Meinung zum aktuellen politischen Geschehen - ich muss das loswerden.




Ich habe zwei Bücher über Weihnachten gelesen:
Im ersten Buch versucht Hamed Abdel-Samad


an Hand von historischen Daten das Leben des Propheten Mohamed zu beschreiben und dessen Wirkung auf den Islam bis heute. Sehr empfehlenswert.  Über den Autor ist die Todesstrafe verhängt worden (Todes-Fatwa), die, soweit ich weiß,  jeder gläubige Moslem vollstrecken darf, wenn nicht sogar muss.

Ich schreibe das, wohl wissend, dass dieses Todesurteil bei strengen Glaubensrichtungen auch für alle gilt, die diese Werke lesen. Also auch für mich. 

Es bekräftigt nur meinen Aufruf an die österreichische Bundesregierung, Religionen mit Gewaltbotschaften nicht öffentlich zu fördern. Mir ist klar, dass der Aufruf ziemlich sinnlos ist, aber ich bin strikt dagegen, dass Hass- und Gewaltbotschaften öffentlich gefördert werden.

Das zweite Buch ist von Jürgen Todenhöfer.
Er ist (mit seinem Sohn und dessen Freund) in jene gegend gegangen, wo vorher sämtliche Journalisten geköpft wurden. Ich halte das für sehr mutig - das hingehen.
Jürgen beschreibt, was ich  schon selbst erlebt habe: Wer sich mit beiden Seiten beschäftigt, weil er beide Seiten in einem Konflikt verstehen möchte, wird von beiden Seiten angegriffen. Zu viele Menschen leben nach dem Motto: Wer nicht für mich ist, ist mein Feind. Beziehungsweise: Bist du nicht der Feind meines Feindes, bist du mein Feind. Sprichst du mit meinem Feind, bist Du nicht mehr mein Freund (für Humanisten), beziehungsweise mein Feind.
Feindbilder überall. Eine wunderbar polarisierte Welt, die die Politiker geschaffen haben und das Volk macht begeistert mit.
Es ist mittlerweile ja so, dass die einen nicht mehr mit den anderen reden. Die Entfreundungswelle (von Facebook zumindest massiv unterstützt) war das wirkungsvollste, was man zur weiteren Eskalation unternehmen konnte. Wenn Konfliktparteien nicht mehr miteinander reden, dann ist der nächste Schritt Gewalt, und das Netz ist voll davon, wobei beide Seiten gleich viel Hass säen - die Gutmenschen wie auch die Nazis. Die Entmenschlichung gehört zur Eskalation, der anderen Seite einen abwertenden Namen zu geben.
Als dritte Meldung bin ich immer noch erschüttert, dass Deutschland mit wehenden Fahnen wieder in den Krieg zieht. Mit einer überwältigenden Mehrheit im Bundesrat beschlossen. 
Seit einem Jahr warne ich vor der Krigshetze unserer Politiker, nun ist es tatsächlich soweit.
Wenn mir das jemand vor 30 Jahren gesagt hätte, ich hätte nur den Kopf geschüttelt.
Nein, nein, wir schießen ja nicht, wir sagen nur den anderen, wo sie die Bomben hinwerfen sollen. Frauen und Kinder töten wir nicht, das machen die anderen, denen wir sagen, wohin mit den Bomben, Kollateralschaden, eben.
Wwie viele von Euch haben ihr Profil nach den Anschlägen in Frankreich mit einer französichen Fahne unterlegt? "Unterstützen Sie den französischen Staat ..." stand darunter. Den Staat, der seit einem Jahr Syrien bombardiert, dort tausende Frauen und Kinder getötet hat, sollen wir unterstützen. Wir sollen das Bombardieren von Syrien unterstützen, weil französische Staatsbürger in Frankreich gemordet haben.
Googelt doch einmal die französische Nationalhymne.

Hört ihr auf den Feldern
Diese wilden Soldaten brüllen?
Sie kommen bis in eure Arme,
Um euren Söhnen, euren Gefährtinnen die Kehlen durchzuschneiden.

Refrain:
Zu den Waffen, Bürger,
Formt eure Truppen,
Marschieren wir, marschieren wir!
Unreines Blut
Tränke unsere Furchen!
Wieso fällt die nicht unter Hassbotschaft, Verhetzung? Wer bitte ist mit "unreines Blut" gemeint?

 Nein. Frankreich wurde nicht angegriffen, ebensowenig wie Deutschland. Es ist eindeutig ein Angriffskrieg, den Ihr alle führt und befürwortet, die meinen, da muss man ja was tun, und das geht leider nicht friedlich. Jeder, der die französische Fahne hisst, unterstützt diesen Angriffskrieg.
Wir neutralen Österreicher ... wieder aus dem Schneider? Oh nein, Wir lassen die Nato-Panzer durchfahren, deren Flugzeuge fliegen, und welcher Politiker ist gegen den deutschen oder französischen Angriffskrieg aufgestanden?  
Terroristen gehören vor ein Gericht in einem aufgeklärten Rechtsstaat, und nicht Bomben auf Städte in einem fremden Land geworfen. Das ist alttestamentarische Rache, das bedeutet ein Volk töten, weil einer mir Böses tut.
Ich höre dann, es wäre alternativlos. Sollen wir denn zuschauen, dass dort gemordet wird? Gegenfrage: Ist es besser, dort auf Städte mit Frauen und Kindern Bomben zu werfen? Glaubt Ihr wirklich Ihr trefft nur die Bösen?
Glaubt Ihr, dass ein Unrecht ein anderes legitimiert?
Präventivschlag: DIe bedrohen meine Frau und meine Kinder, also darf ich, ja muss ich sie alle töten. "Wir werden den Terrorismus ausrotten." War ja bisher eine Erfolgsstory, Terrorismus mit Krieg zu bekämpfen.
Du sollst nicht töten, habe ich irgendwo gelesen, aber das hat nie eine Wirkung auf die gehabt, die alternativlos sind.
Wie wärs mit Waffenlieferungen stoppen? Nachschubadern kappen? Nicht deren blutiges Öl kaufen? Das bringt aber nicht so viel Geld wie Bomben werfen bzw. nicht so viel Genugtuung.

Ich bin traurig, weil so viel Hass ist. Weil so vielen Krieg die einzige Lösung zu sein scheint.
Ich bin traurig, weil ich auf dem Weg nach Berlin wieder auf zwei Grenzen gefilzt werde, wie vor wenigen Jahren durch die Tschechei in die DDR.
Ich bin traurig, weil beide Seiten nur Hassbotschaften für den anderen übrig haben.
Ich bin traurig, weil offensichtlich Verbrechen verharmlost werden: In Deutschland ist es unter Strafe, einen Krieg vorzubereiten und zu führen. Was in Köln zu Sylvester usw. passiert ist, wurde auch zuerst versucht zu vertuschen, und es wird immer noch verharmlost, während ich das schreibe, und den Opfern die Schuld und gute Ratschläge gegeben.
Ich wünsche mir,
dass beide Seiten wieder miteinander reden.
Dass jemand, der nicht für mich ist, nicht automatisch mein Feind ist.
Dass den Opfern nicht die Schuld gegeben wird.
Dass das beginnende Chaos geordnet wird.
Dass sich mehr Leute für den Frieden einsetzen.
Vor allem wünsch ich mir, dass ich meinen eigenen Hass, meine eigenen Vorurteile in den Griff bekomme.
Ich wünsche uns ein friedliches 2016.