Dienstag, 24. April 2018

Mein Textvorschlag für die Datenschützer

Ich hänge an meine Mails folgenden Datenschutzgesetzabsicherungsschimmeltext  an:



So - natürlich reagiere ich auf das Konzerne-Bevorzugungs-Gesetz äääh ... Datenschutzgesetz. Es geht um Mörder-hohe-Strafen!
Achtung! Mitteilung gemäß Bundesgesetz über den Schutz personenbezogener Daten.
Gemäß § 24 (1) informiere ich Dich/Sie über die Ermittlung und Verwurschtung äääh ... Verarbeitung Deiner Daten:
Vorab: Können wir für diesen Text per Du sein? Sozusagen ein "Datenschutz - Du"? Wenn nicht, lies bitte nicht weiter und informiere mich, dass ich Dir die Version mit „per Sie“ schicke.
1. Solltest Du mich anrufen: Ich werde Deine Nummer entweder auf einen Zettel aufschreiben, aber wahrscheinlich ohne Namen (den habe ich bisher auch vergessen: ich finde immer wieder Zetteln und frage mich, wem seine Nummer das wohl sein könnte). Wenn ich Glück habe, stehen Dein Name + Nummer auf einem Zettel.
2. Manchmal speichere ich Deine Nummer am Handy nachdem ich auflege, mit einem Deiner Namen (Vor- oder Zuname, das ist zufällig, manchmal beides). Speichermedium ist mein Handy, zur Zeit ein Sony, Programm ist Android.
Wichtig gemäß § 24 Absatz 1: Der Zweck dieser Maßnahmen ist, die Nummer parat zu haben, ohne sie mir im Hirn merken zu müssen, weil dazu bin ich zu alt. Mit 60 ist das glaubwürdig. Deswegen schreib ich mirs auf oder speichere sie am Handy. Klingt verständlich, oder?
3. Wenn (da) Du mir eine Mail schickst: Die speichere ich nicht aktiv, weil nämlich wenn ich meinen PC öffne ist die Mail schon da. Mein PC macht das aus Eigeninitiative, aber sicherheitshalber informiere ich Dich (an seiner Stelle) darüber. Wenn Deine Adresse in der Mail steht, dann ist sie mitgespeichert (eigentlich eh klar, aber ich sags Dir, sicher ist sicher … die hohen Strafen … du verstehst …) Medium: Dell Computer, Programm: Outlook. Ah, ja, auch Dropbox, weil dort ist alles gespiegelt, außer dem Handy. Wobei … sagen wir sicherheitshalber, möglicherweise auch das Handy, wer weiß.
Deine Daten liegen wahrscheinlich auch auf den Servern der NSA und anderen Geheimdiensten, aber ohne meinen Auftrag.
3.a. Und wenn Du auf einem Bild von mir drauf bist, ists am Fotoapparat verspeichert (Medium: Speicherkarte). Ich speichere das dann oft auf den PC. Medium: PC. Programm: Explorer.
4. Meinen Namen und meine Adresse muss ich Dir mitteilen. Beides siehst Du in der Signatur. Ich muss das Dir nämlich mitteilen. Wahrscheinlich, weil die meisten sonst nicht draufkämen von wem die Signatur ist.
5. Du hast natürlich Widerspruchsrecht, also, wenn du nicht willst, dass ich Deinen Namen am Handy oder irgendwas sonst speichere (warum hast du mich dann überhaupt angerufen???). Aber wurscht, schick eine einfach Mail an mich. Formlos, a la „Ich widerspreche“, oder „heast, lösch mich“. Ich ruf Dich aber dann nimmer an. Weil ich lösch Dich sofort. Zettel kommen bei mir eh ins Altpapier.
6. Ausdrücklich mache ich Dich aufmerksam, dass Deine Daten möglicherweise in einem Datenverbundsystem verarbeitet werden. Ich sag das Dir – sicher ist sicher – weil ich nicht weiß, was das ist, aber da Unkenntnis nicht vor Strafe schützt (und diese sind dramatisch), sag ichs Dir sicherheitshalber. Übrigens glaube ich, dass das Ganze eh wurscht ist, wie die ganze Verordnung. Aber wir sind noch nicht fertig:
7. Gemäß Absatz (2a) gebe ich bekannt, dass wahrscheinlich die NSA und andere Geheimdienste mitlesen, sowie Google und andere Datenabgreifer. Ich vermute, (weil das durch Whistleblowerinformationen nahe liegt) dass alle, auch meine, somit Deine Daten systematisch und schwerwiegend unrechtmäßig verwendet werden, auch vom Staat selbst (Stichwort Staatstrojaner, vielleicht hab ich ihn mir beim ungeschützten Verkehr mit einer Behördin eingefangen) und allen Staatsbürgern und somit auch Dir Schaden droht, weswegen ich Dich darüber unverzüglich hiermit informiere.
8. Ich unterliege der Auskunftspflicht, der ich gerne nachkomme: Das geht so: Wenn Du gemäß § 26 (1) wissen willst, ob ich Deine Nummer am Handy verspeichert habe, frag mich einfach. Dann sage ich es Dir innerhalb von 8 Wochen (=gesetzliche Frist vorgeschrieben). Dazu muss ich Deine Nummer aber jetzt mit Namen aufschreiben (weil wenn ich sie am Handy verspeichere weiß ich nicht mehr, ob ichs vorher verspeichert habe. Logisch, oder?). Diese Auskunft kostet übrigens nix.
Ich kann übrigens auch mein Handy verlieren. Dann wissen alle, wer Du bist - möglicherweise. Habs zwar verschlüsselt, aber das kann sicher wer cracken und alle Daten ins Netz stellen. Man weiß nie.
Ich habe auch bei UPC veranlasst, dass sie alle Emails on Dir speichern. Also, nicht wirklich, aber schon, also: Konkludent habe ich das gemacht, als ich meinen Account dort eröffnet habe. Und das geht so: Ich habe nämlich einen Vertrag mit UPC (dort liegt mein Emailserver, und ich denke, die speichern das). Das liegt auf denen ihrem Server, und dort sind möglicherweise schlimme Finger (die sind immer und überall), die die Daten abgreifen, möglicherweise ist das auch ein Geschäftsmodell so wie bei Facebook oder Google. Alles ist möglich. Und die Daten sind auf meinem PC (Dell Computer) auf Outlook gespeichert. Da lesen wiederum die NSA und andere Geheimdienste mit. Manchmal meine Kinder, wenn sie mich besuchen und neben mir sitzen und beim Plaudern zufällig auf den PC schauen. Die Kinder sind aber schon erwachsen. Das ist eine unerhebliche Information, wie eigentlich eh alles, aber gesetz ist Gesetz. Je mehr ich Dich warne, desto sicherer.
So – ich hoffe, ich habe alles abgedeckt. Interessiert hätte mich noch, wer sich diese Verordnung ausgedacht hat. Er hat jedenfalls ein Interesse, die Kleinen zu benachteiligen gegenüber den Großen.
Ich bin froh, dass ich keine Angestellten mehr habe. Sonst würde es sehr teuer werden. Spätestens jetzt würde ich drauf pfeifen und meine Firma liquidieren, weil ich mich nicht ver… na das schreibe ich jetzt nicht.
Möglicherweise habe ich alles falsch verstanden, aber das Gesetz ist nun einmal völlig unverständlich. Aber das ist auch wichtig, weil Anwälte, Abmahnungsanwälte und Beratungsfirmen müssen auch irgendwie an ihre Jobs kommen. Und dafür ist wichtig, dass Staatsbürger das Gesetz NICHT verstehen. Verstehst?
Aber nicht mit mir. Ich habe den obigen Text selbst formuliert, daher klingt er vielleicht unprofessioneller als ein Juristendeutsch.
So – bitte bestätige mir schriftlich, dass Du einverstanden bist, dass ich Deine personenbezogenen Daten abgreife, weil sonst muss ich alles von Dir umgehend löschen.

Die neue Datenschutzverordnung - soll ich resignieren?

Bald wird die neue Datenschutzverordnung rauskommen.
Die betrifft nicht nur die Großkonzerne, sondern auch die Kleinen, z.B. mich.
Wobei, die Großkonzerne betrifft es, weil die werden jubeln.

Und die Anwälte.
Vor allem jene charakterlosen Typen, die Abmahnungsanwälte.

Also: Wir haben in Österreich das Datenschutzgesetz:
"Bundesgesetz über den Schutz personenbezogener Daten (Datenschutzgesetz 2000 – DSG 2000)"


Damit man noch verwirrter wird, gibt es dazu dann das 

"Bundesgesetz, mit dem  das Datenschutzgesetz 2000 geändert wird (Datenschutzanpassungsgesetz). "
Insgesamt sind das über 60 Seiten in einer Sprache, die nicht deutsch ist (weil deutsch verstehe ich relativ gut).

Ich habe an eine Behörde, die ich nicht nenne, weil ich sonst den Datenschutz verletze, folgende Mail geschickt:

"Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe die Datenschutzverordnung durchgelesen und möchte mich vergewissern, dass ich da ein paar Sachen richtig verstanden habe:
 
1.      Wenn ein Auftraggeber im Sinne des ABGB mir als Auftragnehmer im Sinne des ABGB einen Auftrag gibt, und ich dessen Daten verarbeite dann bin ich der Auftraggeber im Sinne der Datenschutzverordnung. Ich als Auftragnehmer i.S.d. ABGB werde also zum Auftraggeber i.S. der Datenschutzverordnung und der Auftraggeber i.S.v. ABGB wird vom Auftraggeber (ABGB) zum Betroffenen. Ist das richtig?
2.      Habe ich das richtig verstanden, dass das Speichern der Telefonnummer am Handy mit Namen unter diese Verordnung fällt und ich da auch meldepflichtig bin?
Vielen Dank für Ihre Bemühungen, aber angesichts der Strafen darf ich mir da keinen Fehler leisten.
Walter Siebert"


Schon am nächsten Tag (Super!) erhielt ich folgende Antwort:


Sehr geehrter Herr Siebert!

Zunächst ist festzuhalten, ... dass im Rahmen einer telefonischen oder schriftlichen Anfrage keine rechtlichen Beurteilungen zur Anwendung und Auslegung rechtlicher Bestimmungen bzw. inhaltliche Beratungsleistungen vorgenommen werden können. ...

Unverbindlich jedoch folgende Information:

Zunächst eine kurze Klarstellung:

Der bisherige Auftraggeber wird nach der DSGVO zum Verantwortlichen. Der bisherige Dienstleister wird nach der DSGVO zum Auftragsverarbeiter.
Dies war bisher etwas verwirrend, da der zivilrechtliche Auftragnehmer unter umständen datenschutzrechtlicher Auftraggeber war.
Das nenne ich mal eine Verbesserung!
Zur Frage 1:
Aus datenschutzrechtlicher Sicht kommt es wohl darauf an, was konkret Sie mit diesen Daten des zivilrechtlichen Auftraggebers machen. Wenn Sie "bloß" IT-Dienstleister sind und keinerlei Entscheidungsbefugnis über die Daten haben, sind Sie zivilrechtlicher Auftragnehmer und datenschutzrechtlicher Auftragsverarbeiter. Wenn Sie aber etwa selbstständig über Daten verfügen können und Ihnen Entscheidungsbefugnis zukommt, sind Sie zivilrechtlicher Auftragnehmer, aber datenschutzrechtlicher Verantwortlicher.
Damit ist es klar: Ich bin datenschutzrechtlicher Verantworticher.
Zur Frage 2:

Die Meldepflicht im DVR-Online entfällt mit Geltung der DSGVO ab 25. Mai 2018. Ggf. ist jedoch ein internes Datenverarbeitungsregister zu führen.

Na bitte, alles wird einfacher.



Sonntag, 17. September 2017

Ein paar Fragen an die Bedingungslosen Grundeinkömmler

Es hat den Anschein, als gäbe es nur mehr eine einzige Lösung für unsere Weltprobleme: Das BGE - und alles wird gut.
Ich habe aber ein paar Fragen an die Befürworter:

Ich fange an mit .... den bösen, ausbeuterischen Chefs
Es werden also die Mitarbeiter, wenn sie 1000 Euro im Monat fix bekommen, egal, ob sie arbeiten oder nicht, dem Chef sagen: Entweder du zahlst mir 2000 oder ich komme nicht mehr.
Nur mal angenommen, Ihr Vertreter des BGE habt recht. Glaubt Ihr wirklich, die bösen, ausbeuterischen Chefs zahlen die höheren Löhne aus dem eigenen Ersparten? Was ist, wenn sie es an die Konsumenten (also Euch BGE befürworter) weitergeben und dadurch die Produkte teurer werden?

Frage 1: Wen wird die dadurch entstehende massive Teuerungswelle besonders treffen?
Die Reichen? Die spüren das nicht. Am Ende Ihr selbst?
Was ist, wenn Euer BGE von dieser Teuerungswelle aufgefressen wird?
Dann haben wir die gleiche Situation wie vorher, nur dass viele Sozialleistungen abgeschafft wurden.

Frage 2: Wer wird es finanzieren?
Glaubt Ihr im Ernst, die Reichen werden es finanzieren? Diejenigen, die jetzt schon das BGE propagieren?
Die könnten jetzt schon ordentlich Steuern zahlen, sich für Transaktionssteuer, Erbschaftssteuer, Wertzuwachssteuer usw. einsetzen, dann würden wir über die angeführten Probleme nicht reden müssen.
Ich lege meine Hand ins Feuer: Die Reichen werden das nicht zahlen.
Nein, zahlen wird es der Mittelstand, die Klein- und Mittelbetriebe.
Wunderbar. Aber bedenkt: Die werden immer weniger. Am Ende bleibt vielleicht Ihr selbst übrig.

Frage 3: Wundert Ihr Euch nicht, dass so viele Reiche und Vertreter des Kapitals FÜR das BGE sind?
Dazu verweise ich auf den anderen Beitrag in diesem Blog.

Ich sage Euch, was mich verunsichert:

Mit unglaublich verführerischen Argumenten wird ein enormer Werbefeldzug der Alternativlosigkeit geführt.
Arbeitslose?
BGE
Unfreundliche Jobcenter und Sozialarbeiter?
BGE
Knausrige Chefs?
BGE.
Schlechter Sozialstaat?
BGE.
Kann mich leider nicht selbstverwirklichen?
BGE
Ich langweile mich im Job?
BGE.
Die Reichen werden reicher?
BGE.
Und so weiter.
Ja, all diese Probleme gibt es. Aber das BGE als alternativloses, einzig mögliches Allheilmittel, das obendrein als Heilsbotschaft daherkommt, das ist für mich Brot und Spiele für die Massen, damit "die Elite" in aller Ruhe weitermachen kann wie bisher. Sie müssens ja nicht finanzieren.

Wenn ich alle Gedanken weiterspinne, habe ich ein ganz anderes Bild am Ende des Tages - nur so als alternatives Gedankenspiel:
Die massive Teuerungswelle hat das BGE kompensiert.
Die Sozialleistungen wurden abgeschafft bzw. privatisiert.
Die Produktivität ist massiv runtergegangen.
Die erhoffte wundersame Persönlichkeitsveränderung hat nicht stattgefunden: Wer vorher faul war, ist es immer noch, wer vorher Existenzangst hatte (völlig grundlos, wir leben nicht in Shanghai), hat sie immer noch, wer vorher nicht kreativ war, ist immer noch einfallslos ...

Frage 4: Glaubst Du wirklich an das Wunder, dass ein BGE solche persönlichkeitsverändernde Wunderwirkungen haben soll, wo Pädagogik, Psychologie, Therapie kaum eine Chance haben?

Und gleich anschließend meine Abschlussfrage 5 für heute:
5. Warum beschäftigt Ihr Euch so eindimensional mit dem BGE?

Mittwoch, 13. September 2017

Mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen wird alles gut.

So könnte man die Argumente der Befürworter zusammenfassen. Das BGE wird von immer mehr Leuten als neue Heilslehre propagiert.
Ob wirklich alles gut wird, darüber plauderte ich mit Harald Fasching, den ich sowohl in Theorie als auch in Praxis als Experten für "Geld und soziale Systeme" bezeichnen möchte.

Ich eröffnete das Gespräch:
"Ich wundere mich, dass sich sowohl die Vertreter des Kapitals als auch die der niedrigen Einkommen (oder Sozialhilfeempfänger/Arbeitslose) sich in seltener Übereinstimmung vermehrt für das Bedingungslose Grundeinkommen einsetzen."

Dazu Harald (Gedächtnisprotokoll):

"Erstens passt es in das Konzept: Gewinne privatisieren, Sozialkosten auf die Gemeinschaft abwälzen. Zahlen werden es nicht "die Reichen", sondern der Mittelstand.

Zweitens wird es verhindern, dass das Volk einen Aufstand macht, wenn die Ungleichheit weiter steigt. Brot und Spiele. Wenn Du entspannt dein Geld bekommst, machst Du keinen Aufstand. Und Du bleibst als braver Konsument erhalten."

Im weiteren Gespräch wurden die Argumente unter die Lupe genommen, die Harald der Reihe nach "zerlegte". Er meinte, es gäbe entweder keine Belege dafür oder Belege dagegen.
Die meisten Argumente fußen auf unzulässigen Prognosen. "Die Arbeitsplätze werden verschwinden" Kann sein, muss aber nicht. Ich stimmte zu. "Kaum eine industrielle Revolution hat Arbeitsplätze verschwinden lassen. Weder die Webstühle, noch die Dampfmaschine haben es geschafft - trotz aller Prognosen. Und die Kronenzeitung titelte vor kurzem: 70.000 neue Jobs ..."
"Die Menschen werden sich entfalten, wenn sie keinen Druck mehr haben."
Es gibt genügend Leute, die erst unter Druck kreativ werden. Die Kreativitätsforschung zeigt eine sehr große Bandbreite.
Und es gibt jetzt schon eine große Anzahl von Menschen, die in sehr langweiligen Jobs sitzen, unterfordert sind und sich dort langweilen. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass sie plötzlich kreative Unternehmer werden, nur weil sie sich dann zu Hause langweilen, weil ihr Job überflüssig geworden ist. 
Die BGE-Argumente fußen auf sehr trivialen Motivationstheorien, die sich so nicht bestätigt haben. Der Mensch ist zu unterschiedlich.

Wir stimmten darin überein, dass es ein sehr riskantes Experiment wäre, es einzuführen, weil wenn eventuelle negative Auswirkungen erkannt werden (nach langer Zeit) ist ein Turnaround kaum mehr möglich.

Jedenfalls war es ein sehr unterhaltsamer und erhellender Abend, danke Harald!

Samstag, 25. März 2017

Was hast du getan, als die Welt noch zu retten war?

So schreibt das Pseudonym "subersiv aktiv" auf Facebook.
Darunter eine Serie von depressiven, pessimistischen Kommentaren ...
Hier ist meiner:
1. "Die Welt"  ist nicht verloren, deswegen braucht sie auch keiner retten.
2. Sämtliche Schwarzsehereien des Club of Rome der 1970er Jahre haben sich verflüchtigt.
3. Seit meiner Kindheit ist meine Welt wesentlich lebenswerter geworden - mit einigen wenigen Ausnahmen.

Meine Maßnahmen dienen dazu, dass "die Welt" zu einem "besseren" Ort wird. Dabei entscheide ich, was ich unter "besser" verstehe.

Ich rette nicht die Welt. Klar macht es mich traurig, wenn ich sehe, wie andere sehr achtlos mit Ressourcen umgehen.
Aber ich versuche, das nicht an mich heranzulassen.

Hier sind einige meiner "Maßnahmen":

Umweltverschmutzung:
1. Ich fahre nicht schneller als 100, meistens sogar nur 90.
2. ich fahre sehr passiv.
3. ich versuche, nur Bio, Fairtrade usw. zu kaufen.
4. ich versuche, verpackungen zu vermeiden.
5. ich versuche, alte Sachen zu reparieren und lange zu nutzen.
6. Mein Opel Zafira hat über 450.000 km drauf. Das kosten mehr als ein neueres Auto, aber es ist es mir wert.
7. ich setze mich dafür ein, dass Persönliche Schutzausrüstung länger verwendet wird, als es zur zeit der Fall ist. Da möchte ich die entsprechenden Normen und Standards ändern.

Wirtschaft
1. Ich unterstütze neoliberales Gedankengut nicht mehr.
2. ich gebe hohes Trinkgeld, fast überall (Supermarkt,...)
3. Ich lege kein Geld an, habe auch keines auf der Bank liegen.
4. Ich versuche nicht, bei meinem Job so hohe Preise wie möglich zu erzielen.

Ethik
1. ich arbeite aktiv gegen Korruption, indem ich mich beim Job nicht einladen lasse (mit ganz wenigen Ausnahmen).
2. ich hinterfrage meine Jobs, ob ich sie ethisch vertreten kann.
3. Ich schreibe gegen Hasskommentare - "ich bin gegen gewalt".
4. ich trete gegen gewaltverherrlichende Religionen ein (Islam, altes Testament, Tora).



Freitag, 26. Februar 2016

600 Euro für Parkzeitüberschreitung: Multiversum klagt seine Kunden, wenn sie am Kundenparkplatz stehen.



Es ist Samstag, es ist Cheerleadermeisterschaft im Multiversum. Aufgeregte Eltern fahren ihre Kinder zum Multiversum, man ist froh, wenn man noch einen mit „Multiversum“ gekennzeichneten Parkplatz ergattert. Auf den Schildern steht: 

„KUNDENPARKPLATZ  
Parken für die Dauer des … Besuchs im Multiversum gestattet.“

Umso erstaunter, dass nach der Veranstaltung unser Auto (und –zig weitere) einen Zahlschein im Scheibenwischer stecken haben.  Mit eindeutiger… nennens wir „Alternative“: 

„90 Euro oder Besitzstörungsklage“. 

Ein genauer Blick in den kleingedruckten Text auf dem Schild zeigt, dass der Besuch nur 90 Minuten hätte dauern dürfen.
90 Euro für Parkzeitüberschreitung … ich wollte beim Konsumentenschutz nachfragen, ob das nicht ein bisserl viel sei und holte mir einen Termin.
Inzwischen flattert schon das nächste Schreiben herein:

„Entweder 290 Euro zahlen oder Besitzstörungsklage.“

Das wird ja immer besser.
Auf Anraten des Konsumentenschutzes zahlen wir 40 Euro und schicken eine Erklärung an den Anwalt, dass wir auch nie wieder dort parken werden.
Dennoch werden wir geklagt, nun ist der Betrag bereits 580 Euro.
Vor der Verhandlung werden wir von der Richterin informiert, dass sie uns auf jeden Fall schuldig sprechen wird und sie empfiehlt, dass wir nicht verhandeln und somit in Abwesenheit schuldig gesprochen werden. Wenn wir  dem Anwalt nicht das geforderte Geld (620 Euro mittlerweile) zahlen, wird es noch wesentlich teurer.
Tja, nun müssen wir endgültig einsehen, dass wir besser nachgeben, gegen die Staatsgewalt auflehnen ist nicht sehr gescheit.
Dass wir zum Schluss uns auch noch vom Anwalt demütigen lassen müssen passt zum Gesamtbild:

„Wie blöd muss man sein, wenn man das Schild nicht lesen kann“.

Nun, ich darf dieses Anwalts-Attest an alle –zig anderen Autos weiterleiten: Es war kein Irrtum von uns, es war Blödheit, und wie noch dazu.

Vielen Dank Herr Anwalt für dieses psychologische Gutachten.

Und, Multiversum, keine Sorge: Ich werde sicher nicht mehr Deinen Besitz betreten. Nicht mit dem Auto, nicht zu Fuß. Nie mehr.